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21. Januar 2003

DOKUMENTATION - NOTEBOOK - PILOTPROJEKT

Kategorie: VOBSNews
Von: MK

Notebooks an der HS Hittisau
Eine Dokumentation des Pilotprojektes

I.  Einleitung

Zuerst möchten wir uns bei allen, die mitgeholfen haben, dieses Projekt zu ermöglichen, recht herzlich bedanken. Vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern im Land und im Schulerhalterverband, die die (doch beträchtlichen) finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt haben.
Außerdem bedanke ich mich bei Martin Köb, der in vielen Diskussionen wertvolle Beiträge zur Planung beigetragen hat.
Ohne die Fürsprache und den Einsatz vieler innovativer Personen wäre dieser Versuch nicht zustande gekommen.
Nicht zu vergessen, die Lehrpersonen der HS Hittisau, die bereit waren, die Notebooks in ihrem Unterricht einzusetzen und immer wieder Verbesserungsvorschläge erarbeitet haben.
Allen ein recht herzliches Dankeschön! 

Zur Vorgeschichte 

An unserer Schule ist nur ein EDV-Raum mit 9 Arbeitsstationen vorhanden. Dieser Raum wurde hauptsächlich für den Informatik- und ECDL-Unterricht verwendet. Selten war eine Klasse bzw. Gruppe in anderen Fächern im EDV-Raum. Gründe dafür waren:

  • die Belegung durch EDV-Unterricht
  • zu wenig Geräte, um mit einer ganzen Klasse arbeiten zu können
  • der spontane und kurzzeitige Einsatz war nicht möglich
  • in Freiarbeit war es nur schwer möglich, einzelne Schüler (-gruppen) mit Computern arbeiten zu lassen (wegen der räumlichen Entfernung zur Klasse und der mangelnden Beaufsichtigung bzw. Hilfestellung)
  • immer wieder waren einzelne Schüler mit Arbeiten am PC beschäftigt, während eine Gruppe EDV-Unterricht hatte. Dies war natürlich störend!

Aus diesen Gründen war die Errichtung eines weiteren EDV-Raumes eine Notwendigkeit!

Allerdings ergaben sich dabei Probleme:

  • Es ist kein geeigneter Raum vorhanden.
  • Die Mehrfachnutzung des AVM-Raumes als EDV-, Maschinschreib- und Videoraumes ist nicht möglich, da die PCs und die Bildschirme eine zu große Störung bzw. Gefahr darstellen würden.
  • Der Ausbau eines Raumes (Verkabelung, Stromanschlüsse, etc.) wäre eine große finanzielle Belastung.
  • Ein flexibler Einsatz von Computern wäre auch mit einem zweiten Raum nicht möglich gewesen.

Aus diesen Gründen suchten wir nach einer anderen Lösung und kamen auf die Idee, Notebooks einzusetzen. Um sie in allen Räumen verwenden zu können, musste auch die Anbindung an unser LAN gewährleistet sein. Eine Kabellösung schlossen wir aus, weil die Kosten für die Verkabelung (inkl. Switches) für 13 Räume zu hoch gewesen wären. Daher entschlossen wir uns, ein Funknetz zu installieren.

Die Vorteile, die wir uns von dieser Lösung versprachen waren:

  • individueller und flexibler Einsatz des Computers in allen Klassen- und Gruppenräumen
  • vermehrter Computereinsatz in allen Fächern
  • Computereinsatz auch in größeren Gruppen
  • trotz des höheren Anschaffungspreises für die Notebooks, insgesamt geringere Kosten bei höherer Auslastung
  • Computereinsatz im Unterricht auch von Lehrpersonen, die dies bisher nicht oder nur wenig versucht haben
  • durch den vermehrten Computereinsatz ergeben sich neue methodische und didaktische Ansätze und Lösungen
  • durch den „alltäglichen“ Umgang mit dem Computer, erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie dieses Arbeitsgerät effektiv eingesetzt werden kann
  • das „Handling“ wird selbstverständlicher und unsere Schülerinnen und Schüler haben einen Vorteil in ihrer weiteren beruflichen oder schulischen Laufbahn
  • die doch recht hohen Kosten für die Internetanbindung rentieren sich durch die bessere Auslastung mehr
  • der sichere Umgang mit PC und Internet (sowohl von Schüler- als auch von Lehrerseite) ermöglicht es (in Zukunft) moderne Unterrichtsmethoden zu entwickeln und einzusetzen (z. B. e-learning und ähnliches) 


II. Pädagogischer Einsatz 

Im pädagogischen Bereich konnten wir feststellen, dass unsere Erwartungen größtenteils eingetroffen sind.

Die neuen Geräte wirkten sich auf die SchülerInnen (und auch auf die LehrerInnen) sehr motivierend aus. Der Einsatz der Notebooks in den einzelnen Gegenständen hat sich vervielfacht. Die Mobilität bietet neue Möglichkeiten, Informationen aus dem Internet sowie sinnvolle Lernprogramme auch in den (Klassen-)Unterricht einzubinden.

Unsere SchülerInnen werden von der 1. Klasse an mit dieser Technologie konfrontiert und haben gelernt, diese sinnvoll einzusetzen. Die Arbeitsergebnisse sind sehr gut. Die Schülerinnen und Schüler können mit der Flut von Informationen bereits besser umgehen und arbeiten strukturierter bei der Auswertung der Informationen.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, Maschinschreiben in der 1. Klasse als Pflichtgegenstand in 2 Parallelgruppen zu führen. Die Gruppen arbeiten abwechselnd an den Schreibmaschinen und an den Notebooks.
Dadurch können wir sicherstellen, dass unsere HS-Abgänger in vielen Bereichen das für sie nötige Rüstzeug mitbringen.

Das Problem der Beaufsichtigung der Schüler und der Hilfestellung am Computer hat sich im mobilen Einsatz von selbst gelöst.

Die am meisten verwendeten Anwendungen sind:

  • Internet Explorer
  • Word
  • div. Lernprogramme für Englisch, Deutsch, Mathematik, Biologie, Physik und Chemie
  • Maschinschreibprogramme
  • Präsentationsprogramme (Powerpoint, Mediator)

Am meisten Verwendung finden die Notebooks (abgesehen von den Spezialfächern Informatik, ECDL und Maschinschreiben) in:

Englisch
Biologie
Geografie
Physik/Chemie
sowie bei diversen Projekten
Der Einsatz bei Elternabenden und Projektpräsentationen hat sich ebenfalls bewährt.

Ein Beispiel für die Verwendung von Notebooks im Unterricht

Die Notebooks bieten im Physik- und Chemieunterricht den Vorteil, dass sie im Physiksaal eingestzt werden können. So kann Versuch und Erklärung unmittelbar nacheinander erfolgen.

Darstellung und Erklärung von Versuchergebnissen
Mit Hilfe des Computers können Versuchsergebnisse übersichtlich und zeitsparend dargestellt werden. Die Progrmme Word und Excel sind hierfür gut einsetzbar.
Mit Hilfe des Zeichenprogramms Paint können Sachverhalte ganz einfach bildlich dargestellt werden. Im Paint zeichnen die Schüler Moleküle. Die Darstellung von Molekülen auf Papier ist sehr aufwendig, da viele Kreise gezeichnet werden müssen. Im Paint kann man diese Kreise ganz einfach kopieren und zu Molekülen zusammenfügen. Auch für die Darstellung von Aggregatszuständen, wofür man sehr viele Moleküle zeichnen muss, sind die Notebooks bestens einsetzbar.

Verfassen von Projektarbeiten für die Teilnahme an Wettbewerben
Auch hier kann das Experimentieren und die Darstellung der Ergebnisse fast parallel erfolgen, wodurch sehr effektives Arbeit möglich ist.
Lern-CDs
Mit Hilfe von CD-ROMs können Sachverhalte sehr anschaulich erklärt werden. Diese CDs enthalten Animationen, interaktive Aufgaben, Modelle und Fotos oder Videos aus der Praxis.

Verwendung des Internets

Im Internet gibt es viele Adressen, die sich zur Informationsbeschaffung auch für Hauptschüler bestens eignen. So erhalten die Schüler z.B. unter der Adresse www. kernenergie.de aktuelle Information über Atomenergie.
Unterrichtsmaterialien von anderen Schulen und pädagogischen Hochschulen sind oft direkt im Unterricht einsetzbar

III. Organisatorisches 

In organisatorischer Hinsicht stellten die Notebooks für uns eine Herausforderung dar.

Die jetzt als optimaler Ablauf empfundene Regelung ist das Ergebnis einer langen Erprobungsphase.
Der richtige und sorgsame Umgang mit den Geräten war ein Schwerpunkt im Herbst. Nachdem zuerst die Lehrpersonen eingeschult worden waren, wurden die entsprechenden Regelungen den Schülern weitergegeben. Die Schüler und Schülerinnen sind bereits gut vertraut mit den Notebooks. Allerding ist es nicht möglich, dass die Schüler ihre Geräte nach dem Unterricht ohne Kontrolle der Lehrperson versorgen. Dazu fehlt es ihnen am notwendigen Verantwortungsgefühl und der notwendigen Sorgfalt!

Das größte Problem, neben der Aufbewahrung der Geräte, stellte das Laden der Akkus dar.

Aber auch hier haben wir eine – wie ich meine – gute und praktikable Lösung gefunden:
Im EDV-Kabinett wurden 3 Fächer eines Regales für die Notebooks reserviert.
- In einem Fach werden die für den Einsatz bereiten Geräte gelagert.
- In einem weiteren werden die, deren Akkus geladen werden müssen, an das Stromnetz angeschlossen.
- Im 3. Fach werden die Taschen der Geräte, die geladen werden, aufbewahrt.
Da dieser Raum nicht für Unterrichtszwecke verwendet wird, kommt es zu keiner Störung, wenn Schüler Notebooks holen. Leider klappt dieses System nicht immer, so dass Geräte am falschen Ort abgestellt werden. Hier muss die Kontrolle durch die Lehrpersonen verstärkt werden.

Obwohl alle Teile – Notebook, Ladegerät, Maus, Mauspad, Funk-Netzkarte, sowie das „Tagebuch“ – beschriftet und in einer Notebooktasche verstaut sind, kommt es immer wieder vor, dass Teile in manchen Taschen doppelt vorhanden sind und in anderen fehlen. Das richtige Zuordnen erfordert dann einen hohen Aufwand.

Da in den Klassenräumen zu wenig Steckdosen vorhanden sind, haben wir 3 Sets aus Tischsteckdosen (eine 5-fach und drei 3-fach Steckdosen) zusammengestellt. Damit lassen sich bis zu 11 Geräte an das Stromnetz anschließen. Dies hat sich in den meisten Fällen als ausreichend herausgestellt.

Da die Geräte sehr häufig eingesetzt werden, war es notwendig, einen „Entlehnplan“ aufzuhängen, in den sich jede Lehrperson mit der benötigten Anzahl Notebooks eintragen muss. Dadurch wird der spontane Einsatz (vor allem einer größeren Anzahl von Geräten) sehr erschwert. 

IV. Hardware 

Die Notebooks, die bei uns verwendet werden, haben folgende Konfiguration:
Acer Aspire 1200XV
14,1“ XGA TFT LCD
1GHz Intel Celeron Prozessor
128 MB SDRAM
10 GB HD
8x DVD
Samsung 11 MBPS Wireless Lan Card
PS2 Maus

Das Funknetz hat 2 Accesspoints, die in zentraler Lage montiert sind.
Der Arbeitsspeicher ist etwas zu gering. Die Größe der Harddisk ist ausreichend, da die Anbindung an das LAN gegeben ist. Daten werden nur im Netz gespeichert.

Die Geschwindigkeit der Funkverbindung ist in den meisten Räumen ausreichend. (Nicht wesentlich langsamer als im Kabelnetz). Allerdings erreichen wir mit den 2 Accesspoints nicht alle Räume optimal. Und dort reduziert sich die Übertragungsrate ziemlich stark. Wir werden daher 2 weitere Funkstationen installieren müssen.

Ein Problem stellen die Mäuse dar. Die Verwendung des Touchpads wurde von uns als nicht praktikabel angesehen. Daher wurde zu jedem Notebook eine Mausangeschafft. Allerdings beansprucht das oftmalige Ein- und Ausstecken die Steckverbindung. Wir werden daher die PS2 Mäuse durch USB Mäuse erstzen und hoffen, dass damit das Problem gelöst ist.

Die Akkus haben an Leistung schon verloren. Daran mitschuldig war eine irreführende Anleitung zum schonenden Umgang.
Die Geräte haben bisher keine Ausfälle gehabt. Einzig eine Funknetzkarte wurde defekt. Sie wird im Rahmen der Garantie ausgetauscht. Die Schüler gehen mit den Notebooks ziemlich sorgsam um. Außerdem sind sie beim Transport in den Taschen ziemlich gut geschützt. 

V. Zusammenfassung 

Aus unserer Sicht hat sich das „Projekt Notebook“ bewährt.

Obwohl es organisatorische und auch technische Schwierigkeiten (Reichweite des Funknetzes) gab und gibt, wurde der Unterricht durch den mobilen und individuellen Einsatz der Notebooks moderner, „bunter“ und in Hinblick auf die geänderten Anforderungen in der modernen Berufswelt auch lebenspraktischer.

Selbstverständlich garantiert ein Notebook allein noch keinen modernen, guten Unterricht.

Aber es bieten sich dem Lehrer/der Lehrerin Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler mit einem modernen und vielseitig einsetzbaren Werkzeug vertraut zu machen. Die Informationsbeschaffung und –verarbeitung erhält somit eine neue Dimension. Die Schüler werden zu mehr Selbstständigkeit (und auch Selbstverantwortung) erzogen. Präsentationstechniken mittels Computer und den entsprechenden Programmen kommen vermehrt zum Einsatz.
All dies können innovativen und modernen Methoden aufgeschlossene Lehrpersonen mit Hilfe der Möglichkeiten, die uns die Notebooks bieten, leichter realisieren als ohne sie.

Sicher ist auch, dass die Verwendung solcher Geräte viel Disziplin von Seiten der Lehrpersonen und der Schüler erfordert! Eine passende Organisationsform muss gefunden und konsequent durchgeführt werden. 
     
Dir. Ferdinand Orschulik, HS Hittisau / im März 2003

Download:
Dokumentation incl. Bilder